Die optimale Dramaturgie

Bewerbungs-Anschreiben richtig aufbauen

Dieser Artikel stellt eine mögliche Strukturierung für Bewerbungsanschreiben vor. Das Ziel der Struktur ist, den Leser "am Ball" zu halten, also zu vermeiden, dass er während des Lesens das Interesse verliert. Natürlich kann die Struktur dabei nur einen Teil der Arbeit leisten, wichtiger ist der konkrete Inhalt. Daher ist die Struktur recht allgemein gehalten; Ihre Aufgabe ist, die Struktur anzuwenden und mit Leben zu füllen. Um Ihnen dabei zu helfen, gibt dieser Artikel auch inhaltliche Tipps. Wie immer gilt: Halten Sie sich nicht sklavisch an diese Struktur. Wenn Sie eine gute Idee haben, dann verwirklichen Sie sie auch. Auch wenn sie vielleicht etwas von der Struktur abweicht.

1. Die Anrede

Die erste Zeile des Anschreibens ist der Anrede des Bewerbungs-Lesers vorbehalten. Üblich ist dabei die Anrede "Sehr geehrte Frau ..." bzw. "Sehr geehrter Herr ...". Natürlich sollten Sie auf die korrekte Schreibweise des Namens achten.

Die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" wird allgemein als ungünstig angesehen, da sie als ein Hinweis auf einen Standard-Bewerbungstext oder unzulängliche Recherchen des Bewerbers gedeutet werden kann. Also: Versuchen Sie wann immer möglich diese Anrede zu vermeiden. Erkundigen Sie sich zum Beispiel telefonisch nach dem Namen des Ansprechpartners für die Bewerbung.

2. Worum geht's?

Zu Beginn des Anschreibens sind zweierlei Dinge wichtig: Kontext herstellen und Interesse wecken. Kontext herstellen bedeutet, dass Sie dem Leser mitteilen müssen, worum es in Ihrem Brief überhaupt geht. Eventuell werden Sie sich jetzt sagen: "Ist doch klar, um 'ne Bewerbung!" Ja, klar. Aber es geht noch etwas genauer.

Wenn Sie beispielsweise vorab ein Telefongespräch mit dem Empfänger der Bewerbung geführt haben, sollten Sie darauf hinweisen. Wenn sich der Empfänger noch - positiv - an das Telefongespräch erinnert, wird sein Interesse an Ihren Bewerbungsunterlagen bestimmt etwas steigen. Wie gesagt: Interesse wecken ist der zweite wichtige Punkt am Beginn eines Anschreibens.

Jetzt kommen wir dazu, dass Sie dem Leser mitteilen, dass Sie sich um eine Stelle bewerben. Dies können Sie vielleicht sogar mit dem Interesse-Wecken verbinden. Zum Beispiel:

Ich möchte die Herausforderungen, die Sie in Ihrer Anzeige beschreiben, gerne annehmen.

Hier ist die Anzeige nicht näher genannt, weil diese in der Regel schon in der Betreffszeile des Anschreibens genauer referenziert wird.

Natürlich wirken solche Einleitungen schnell abgedroschen. Der Grund dafür ist einfach, dass in der Kürze des Einleitungssatzes die aufgestellten Behauptungen nicht belegt werden können. Jeder kann sich hier unendlich hoch loben. Daher sollten Sie diese Einleitung recht knapp halten, dafür aber möglichst kreativ sein. Denn Standardsätze wirken erst recht abgedroschen.

3. Wer bin ich, was kann ich?

Nun müssen Sie sich dem Leser der Bewerbung vorstellen. Beginnen Sie am Besten mit Ihrer Schlüsselqualifikation. Das kann Ihre Ausbildung, Ihr Hochschul- bzw. Universitätsabschluss oder eine langjährige Erfahrung in Ihrem Beruf sein. Besitzen Sie einen Titel wie zum Beispiel Diplom-Ingenieur, so lassen Sie diesen in Ihre Vorstellung einfließen. Stellen Sie Ihre Qualitäten heraus. Achten Sie dabei darauf, den Schwerpunkt auf die Qualitäten zu legen, die für den Empfänger der Bewerbung interessant sind. (Mehr dazu findet sich im Artikel Den ersten Eindruck machen)

Als ausgebildete Bürokauffrau kann ich vier Jahre Erfahrung als Sachbearbeiterin im Controlling der Lebensmittelkette Jodl vorweisen. Bereits hier habe ich intensiv mit Excel-Anwendungen gearbeitet. Ich konnte auch ausgiebige Erfahrungen mit dem Erstellen neuer Anwendungen sammeln.

Offenbar werden in der (fiktiven) Stellenausschreibung zu diesem Beispiel-Anschreiben Excel-Kenntnisse verlangt. Daher geht die Bewerberin in ihrem Anschreiben direkt nach der allgemeinen Vorstellung darauf ein.

Versuchen Sie noch weitere passende Talente und Interessen, die für Sie sprechen, hier aufzulisten.

4. Organisatorisches

Im vorletzten Teil des Anschreibens kommen, wenn nötig bzw. gefordert, organisatorische Angaben wie frühstmögliches Eintrittsdatum, Gehaltswunsch, und so weiter.

Ich kann Ihnen vom 1. Mai an zur Vefügung stehen. Ein Umzug nach Hamburg stellt für mich kein Hindernis dar.

5. Motivation zeigen und Reaktion fordern

Jetzt sind Sie schon am Schluss des Anschreibens. Hier sollten Sie noch einmal verdeutlichen, dass Sie den Job wollen und motiviert dafür sind. Schließlich kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass motivierte Mitarbeiter bessere Leistungen bringen als unmotivierte. Außerdem ist es an dieser Stelle üblich - wie in der Werbung - einen sogenannten "call to action" zu machen, also den Leser zum Handeln aufzufordern. In der normalen Werbung ist die Handlung natürlich Kaufen, im Falle des Bewerbungs-Anschreibens geht es um die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Die Aussicht, den Aufbau Ihres Unternehmens begleiten zu können, finde ich sehr spannend und freue mich daher schon jetzt auf eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Allgemein wird gesagt, dass hier Aussagen im Indikativ ("ich freue mich") eine bessere Wirkung beim Leser erzielen als Aussagen im Konjunktiv ("ich würde mich freuen"). Es ist sicherlich wahr, dass man als Bewerber selbstbewusst und nicht "unterwürfig" auftreten sollte. Dies drückt sich aber durch die gesamte Art des Anschreibens aus und hängt nicht von einem einzelnen Wort ab. Daher können Sie hier durchaus Ihren eigenen Geschmack bzw. den Zusammenhang entscheiden lassen, ob sie mit Indikativ oder Konjunktiv formulieren.

6. Grußformel

Üblicherweise verabschieden Sie sich "mit freundlichen Grüßen" von dem Leser. Andere Grußformeln sind jedoch auch möglich, um noch eine persönliche Note zu setzen.

Viele Grüße aus der Hansestadt Rostock

Der Grußformel folgt Ihre eigenhändige Unterschrift, oder, im Falle eines Schreibens per Mail, einfach Ihr ausgeschriebener Name.

 
Kurzgefasst
  • Möglichst mit persönlicher Anrede beginnen
  • Verbindung zur Stellenausschreibung herstellen und Interesse beim Leser wecken
  • Die für den Leser interessanten Stärken und Interessen auflisten
  • Wenn nötig: Gehaltswunsch oder frühstmögliches Eintrittsdatum angeben
  • Die eigene Motivation zeigen und den Leser zur Reaktion animieren
 
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